Mehr zu Hanne Darboven und ihrer Tasse
ZUR PERSON:
Am 29. April 1941 wird Hanne Darboven in München geboren. Die Tochter einer hanseatischen Kaffeeröster- und Kaufmannsfamilie wächst zweisprachig auf; ihre Mutter stammt aus Dänemark. Durch ihren Großvater, einen Kunstsammler, wird Hanne Darboven schon als Kind in die Kunstwelt eingeführt. Sie lernt Werke von Munch, Fresnayes und Modigliani kennen.
Hanne Darboven studiert an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Nach Abschluss geht sie 1966 nach Paris, zwei Jahre später nach New York. Dort knüpft sie wichtige Kontakte zu namhaften Künstlern wie Sol LeWitt und Carl Andre, von denen sie entscheidende Anregungen erhält. In New York entstehen ihre ersten Zeichnungen auf Millimeterpapier. Sie entwickelt ein Konzept zur Fortschreibung von Zeit, schreibt Zahlenadditionen nach Kalenderdaten auf.
Im Jahre 1969 kehrt sie zurück nach Hamburg, erweitert in den siebziger Jahren ihre Arbeit, bezieht ihr Konzept auf literarische Werke wie Homers "Odyssee" oder Heinrich Heines "Atta Troll". Die Zeit von 1975 - 1980 bezeichnet sie als "Schreibzeit" - "Ich schreibe, aber ich beschreibe nichts" - "Ich schreibe, aber ich lese nicht." - sagt Hanne Darboven selbst über diese Zeit. Auf viele tausend Blätter hat sie unendlich viele Reihen von Zahlen und Buchstaben geschrieben. Schreibzeit - festgeschriebene Zeit - Zeiterinnerung. Zeit wird im Werk von Hanne Darboven zum Raum. Mit den Blättern der "Schreibzeit" wendet sie sich geschichtlichen Themen zu und reflektiert historische und politische Inhalte. Dazu integriert sie ab 1978 auch Fotografien und Milieuaufnahmen in ihre Arbeiten. 1979 erarbeitet sie ihre erste Partitur. Hierin setzt sie ihre Zahlenkombinationen in Musik um. Die Fachkritik bewertet das "Requiem" (1971 - 1988) von Hanne Darboven als multidisziplines Meisterwerk und Höhepunkt ihrer umfangreichen Arbeiten; es sei universell wie kaum ein zweites künstlerisches Werk der Gegenwart. Das Requiem umfasst 37.000 einzelne Blätter und 16 Langspielplatten realistischer Musik.
Das Werk von Hanne Darboven gilt insgesamt als schwer zugänglich; sie gehört zu den führenden Vertreterinnen der Konzeptkunst und ist international berühmt und anerkannt. Seit 1969 ist sie auf vielen wichtigen internationalen Kunstveranstaltungen vertreten. Seit Beginn der siebziger Jahre lebt Hanne Darboven zurückgezogen im Süden Hamburgs.

